provokant. persönlich. falsch

Seit Jahren verbreitet die Deutsche Welle im Format „Wirtschaft_plus“ Unwahrheiten über Elektroautos. Auf zwölf Beiträge voller Falschaussagen (der Großteil davon von Thomas Spahn moderiert) kommt ein positiver von Christian Uhlig. Damit sich Jede*r selbst ein Bild machen kann, liste ich hier alle Beiträge auf und widerlege die darin enthaltenen Falschbehauptungen. Je nach Beitrag wahlweise nur mit einem Punkt – außer ein Beitrag ist eine Sammlung von Fehlinformationen, dann liefere ich zu jedem Zitat das passende Gegenargument. Manche Unwahrheit kommt in mehreren Videos vor – ich behandle sie dann trotzdem nur einmal.

 

 

 

 

 

„Ökoschwindel E-Auto!“

 

Erschienen: 22.08.2017, zu sehen hier.

 

 

 

„Dass das Land der Erfinder des ersten Autos mit Verbrennungsmotor diesen wohl als erste abschaffen wird.“

 

Falsch. Als erstes Land der Welt will Norwegen 2025 den Verbrennungsmotor beerdigen (ein konkretes Gesetz gibt es nicht, man will ein Ende des Verbrennungsmotors über die Förderung der Elektroautos erreichen). Debatten darüber gibt es in vielen Ländern, Gesetz geworden ist es bislang nur in Taiwan, dort sind Verbrenner ab 2035 verboten.

 

 

 

 

 

„Das Stockholmer Umweltforschungsinstituts IVL hat jüngst berechnet, dass allein die Produktion des riesigen Akkus eines Tesla S Elektroautos 17 Tonnen CO2 in die Atmosphäre bläst.“

 

Nein, das hat nicht das IVL berechnet, das ist eine Vereinfachung, die ein schwedischer Journalist auf Basis diverser ungünstiger Annahmen getroffen hat. Die Aussage „17 Tonnen CO2 für einen Tesla Akku“ ist so in der von Spahn zitierten Studie nirgends zu finden. Außerdem wurde die Studie 2 Jahre später von den Autoren selbst überarbeitet und fällt nun sehr klar positiv für Elektroautos aus.

 

 

 

„Umweltfreundlich werden E-Autos erst, wenn bei Tanken keine fossile Energie mehr in den Akku fließt und sie ausschließlich mit regenerativen Energien produziert werden.“

 

Natürlich ist ein hoher Ökostromanteil ganz grundsätzlich sinnvoll, dass es aber 100 % Ökostrom sein muss, ist eine Lüge. Auch mit einem geringeren Ökostromanteil am Strommix stehen Elektroautos schon besser da als Verbrenner – auch in Deutschland, nachzulesen beim Umweltbundesamt.

 

 

 

 

„Ökoschwindel E-Busse“

 

Erschienen: 12.03.2018, zu sehen hier.

 

Entgegen Spahns Behauptungen ist die BVG sehr zufrieden mit ihren Elektrobussen. Auch in München macht die MVG gute Erfahrungen, die Linie 100 ist komplett elektrisch.

 

Die Frage, warum nicht mehr Busse einfach per Oberleitung elektrifiziert werden werden, ist berechtigt, sicher finden sich in Deutschland auch genug Linien, wo das möglich wäre. Der Vorteil des Busses gegenüber einer Straßenbahn, nämlich die höhere Flexibilität, geht allerdings mit Oberleitungen komplett verloren. Außerdem sind Oberleitungen sehr anfällig für Wettereinflüsse und Vandalismus und treiben die Kosten so stark nach oben.

 

Eine ausführliche Liste der Gründe gegen Oberleitungsbusse stellt Wikipedia bereit.

 

 

 

 

„Ökobilanz E-Autos“

 

Erschienen: 16.04.2018, zu sehen hier.

 

„Deutlich klimafreundlicher [als ein Tesla] aber fahren ausgerechnet deutsche Dieselfahrzeuge.“

 

Nein, fahren sie nicht. Der ADAC hat in der zitierten Studie Daten von 2013 verwendet, mit den aktuellen Daten sah alles ganz anders aus. Hätte man merken können, wenn man die Studien, die man zitiert, vorher gelesen hätte.

 

 

 

 

 

„Tesla: Brennende Fragen!“

 

Erschienen: 05.06.2018, zu sehen hier.

 

Nach der Aufzählung von 3 (In Worten: Drei!) brennenden Teslas fragt Thomas Spahn, ob Teslas „rollende Zeitbomben“ seien. Interessanterweise gab es wegen dieser Brände keine Rückrufe für Tesla. Einige Zeit später rief dann BMW 324.000 Autos zurück, weil sie nicht nur in Thomas Spahns Fantasie, sondern auch in der Realität brandgefährlich waren. Warum hatte Spahn hier keine „brennenden Fragen“?

 

 

 

 

„Riesenflop E-Autoprämie“

 

Erschienen: 09.07.2018, zu sehen hier.

 

Hier kommentiert nicht Thomas Spahn, sondern Christian Uhlig. Tatsächlich ist dieser Beitrag etwas differenzierter, die Forderungen nach besserer Ladeinfrastruktur teile ich und auch die Argumentation, dass vor allem Wohlhabendere von der Förderung profitieren, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein „Riesenflop“ war die Prämie trotzdem nicht, mittlerweile sind ja zwei Drittel der Fördergelder abgerufen worden, der Zeitpunkt hat einfach noch nicht gepasst. Deswegen war die Verlängerung, gegen die sich Uhlig im Video ausspricht, wohl doch sinnvoll.

 

 

 

 

„Brandneue E-Autos für deutsche Elektromuffel“

 

Erschienen: 10.09.2018, zu sehen hier.

 

 

 

„Was keiner will, davon muss es halt mehr geben.“

 

Spahn meint diesen Satz wohl ironisch, es ist aber tatsächlich was dran: Die Nachfrage nach Elektroautos war 2018 gering, weil viele Modelle nicht attraktiv waren. Da ist die Lösung in der Tat, mehr, vor allem aber bessere Modelle anzubieten.

 

 

 

„Denn die, die jetzt die E-Autos so pushen, haben bislang nicht mal ihre leitenden Mitarbeiter begeistern können. So liegt der Anteil von Elektro- und Hybridmotoren bei den 20.000 Dienstwagen von VW (…) im Promillebereich.

 

Welche Elektroautos sollten VW-Mitarbeiter denn fahren? Die große Modelloffensive kommt erst, bislang gibt es nur den Golf und den Up elektrisch – welcher Manager fährt denn Klein- oder Kompaktwagen? Neben Image spielt auch die Dienstwagenrichtlinie eine wichtige Rolle: Wenn einem Manager ein VW Phaeton oder zumindest ein Passat zusteht, wird er kaum ablehnen und sagen: „Ich nehme lieber den Up.“

 

 

 

 

„Irrweg E-Auto“

 

Erschienen: 17.01.2019, zu sehen hier.

 

„Der Akku eines Tesla X SUV wiegt 625 kg. Wenn also der stolze Teslafahrer Brötchen holen fährt, sitzen 7 ungebetene Beifahrer mit einem Durchschnittgewicht von 85 kg mit im Auto (…).“

 

Es ist völliger Nonsens, das Gewicht einer Fahrzeugkomponente in die Einheit „Mitfahrer“ umzurechnen. Oder rechnet Herr Spahn bei einem Benziner mit 255 kg schwerem Verbrennungsmotor auch aus, dass das auch drei 85 kg schwere Menschen sein könnten?

 

 

 

„Es ist wenig klimafreundlich, mit so viel unnützem Gewicht Brötchen zu holen …“

 

Das stimmt, es ist völliger Quatsch, mit zwei Tonnen Blech ein halbes Kilogramm Brötchen zu transportieren. Aber macht der Elektroantrieb das schlimmer, oder ist das nicht mit einem Verbrennungsmotor genauso sinnfrei? Ein mit dem Tesla Model X vergleichbares Fahrzeug, wie z.B. der Audi Q7 ist gerade mal 200 kg leichter – bei optimaler Ausstattung. Im schlechtesten Fall wiegt er sogar 200 kg mehr, warum hat Herr Spahn darüber noch kein Video gemacht?

 

 

 

„… oder überhaupt damit herumzufahren. Das ist pure Energieverschwendung!“

 

Falsch. Das Gewicht ist bei Elektroautos deutlich weniger relevant als bei Verbrennern, weil die Mehrenergie, die für die Beschleunigung des Gewichts nötig ist, auch in Form von mehr Rekuperationsenergie beim Verzögern zu einem ordentlichen Teil zurückkommt. Man kann schwere Autos kritisieren, weil sie die Straßen mehr belasten, aber pure Energieverschwendung sind sie nicht. Beispiel: Ein Tesla Model 3 verbraucht nach WLTP 14,1 kWh und wiegt 1.700 kg. Ein 600 kg leichterer Smart fortwo EQ verbraucht mit 16,6 kWh deutlich mehr. Die Aussage, schwere Elektroautos seien pure Energieverschwendung, ist schlicht und ergreifend grober Unfug.

 

 

 

„(…) und deren [die Akkus der E-Autos] Leistung nach 4 -5 Jahren deutlich in die Knie geht, wie die vom Handy"

 

 

Der Vergleich zwischen Handy- und Autoakkus ist einfach absurd: In den allermeisten Autos wird der Akku aktiv gekühlt oder geheizt, die Ladeleistung wird je nach Ladezustand angepasst und am oberen und unteren Ende gibt es Reserven, die nicht genutzt werden. Diese Dinge schonen einen Autoakku, bei Handys gibt es das nicht. Manch modernes Smartphone lädt in einer halben Stunde voll – ohne Akkukühlung! Das ist in Autos undenkbar.

 

Durch diese Schutzmaßnahmen gehen Auto-Akkus eben nicht nach vier bis fünf Jahren „in die Knie“. Ja, sie verlieren etwas Kapazität, aber das sind wenige Prozent. Das ist etwas völlig anderes als ein Handy, dessen beim Kauf noch einen Tag und nach ein paar Jahren nur noch einen halben Tag durchhält.

 

Erwähnt werden muss hier auch, dass z.B. Toyota mittlerweile eine Million Kilometer und 15 Jahre Garantie auf die Akkus im Elektrobus ProAce gibt. Welcher moderne Verbrennungsmotor ist auf eine Lebensdauer von einer Million Kilometer ausgelegt?

 


 

 

 

 

Tod der Kleinwagen

 

Erschienen: 23.05.2019, zu sehen hier.

 

Hier kommentiert Christian Uhlig, Kleinwagen würde es bald nicht mehr geben, weil diese durch die CO2-Strafzahlungen zu teuer würden. Elektrische Kleinwagen aber seien unattraktiv, er verweist auf den VW e-Up, der 19.000 € koste. Soweit richtig, allerdings gab es seitdem eine Entwicklung: Mittlerweile gibt es das Facelift des kleinen Elektroflitzers nach Förderung bereits ab 12.000 € - das sind tausend Euro weniger als die Verbrenner-Variante. Langfristig gesehen ist die Elektrifizierung die Rettung der Kleinwagen, eben weil eine adäquate Abgastechnik viel zu teuer wäre.

 

 

 

 

 

 

 

Milliardengrab E-Auto

 

Erschienen: 07.11.2019, zu sehen hier.

 

 

 

„Elektroautos bleiben Ladenhüter.“

 

Ich frage mich ja, warum man auf die meisten dieser „Ladenhüter“ Monate warten muss. Wenn niemand diese Autos wöllte, müssten sie ja alle sofort lieferbar sein. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, viele Modelle sind ausverkauft. Ja, die absoluten Zahlen sind gering, aber sie steigen stetig und stark, viele OEMs haben die Nachfrage unterschätzt.

 

 

 

„Wenn schon ein kompaktes Elektroauto, wie der (…) VW ID.3 mindestens 30.000 € kostet, bleibt es trotz Kaufprämie teuer.“

 

Mit der Kaufprämie, die zum Zeitpunkt des Videos galt, hätte der ID.3 24.000 € gekostet (mittlerweile mit Innovationsprämie sogar nur 21.000 €). Zum Vergleich: Der durchschnittliche Deutsche Neuwagen kostet 30.000 €, da ist 21.000 € alles andere als teuer.

 

Das betont auch VW, der ID.3 wird billiger als ein vergleichbarer Dieselgolf sein.

 

 

 

„Und wer will schon auf eigene Kosten austesten, ob der Akku tatsächlich mehr als die acht Jahre hält, die VW garantiert?“

 

Zum Glück muss das niemand mehr machen, weil es schon Leute gab, die die Lebensdauer von Elektroauto-Akkus getestet haben. Hansjörg von Gemmingen hat als erster Teslafahrer eine Million Kilometer vollgemacht, auf dem aktuellen Akku sind über 500.000 Kilometer und er funktioniert noch. Bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 13.000 Kilometern hätte dieser Akku (kalendarische Alterung nicht betrachtet) 38 Jahre genutzt werden können. Ob Herr Spahn seine eigenen Autos länger als 38 Jahre behält? Dann wären seine Ängste natürlich berechtigt.

 

 

 

„Schon diese Batterie für den winzigen Elektro-smart kostet 17.000 €.“

 

Nein, tut sie nicht, es sind 11.000 € weniger.

 

 

 

 

„Da kann man dann beim Schnellladen den Akku in einer halben Stunde wenigstens wieder halbvoll machen…“

 

State oft the Art ist in diesem Bereich der Porsche Taycan, er lädt nicht in einer halben Stunde halbvoll, sondern in 22 Minuten auf 80 %. Teslas Model 3 ist ähnlich flott.

 

 

 

„… wenn die Ladesäule frei ist. An der aber dürften meist schon andere stehen.“

 

Warum eigentlich? Bei jeder Gelegenheit verweist Spahn penibel darauf, wie wenig E-Autos es doch gebe, wie soll denn bei so wenigen Autos jede Ladesäule meist belegt sein?

 

Ich selbst habe in sechs Jahren Elektromobilität genau einmal an einer Ladestation warten müssen – fünf Minuten. Gut, das ist anekdotische Evidenz, vielleicht sind ja wirklich ständig alle Säulen belegt. Wenn dem so ist, hat Herr Spahn sicher eine Quelle dafür.

 

 

 

„Die Massenmotorisierung mit Elektroautos ist technisch alles andere als ausgereift.“

 

Schön und gut, aber warum hat diese nicht ausgereifte Technologie in Ländern wie Norwegen mittlerweile 50 % Anteil an den Neuzulassungen? Oder ist das „nicht ausgereift“ nur eine weitere von Thomas Spahns unbegründeten Vermutungen?

 

 

 

 

Elektro-Starrsinn

 

Erschienen: 02.09.2019, zu sehen hier.

 

„Obwohl inzwischen alle Experten einräumen, dass auch E-Autos die Umwelt belasten (…)“

 

Nein, das wurde nicht „inzwischen eingeräumt“, das wusste jeder Experte schon immer. Jedes Auto belastet die Umwelt: Reifenabrieb gibt es immer, Staus gibt es immer und die Herstellung verbraucht Energie – völlig egal, welcher Antrieb unter der Haube arbeitet. Weniger Autos sind deshalb grundsätzlich sinnvoll und wir haben in der aktuellen Pandemie ja gelernt: Viele Fahrten sind überflüssig und damit auch sicher das eine oder andere Fahrzeug.

 


 

 

„mit besonders hohen CO2-Emissionen bei der Akkuproduktion. Im Auftrag des ADAC haben nun Umwelt- und Energieexperten die Klimabilanz von Diesel-, Benzin-, Erdgas- und Elektroautos der Golfklasse verglichen – über den gesamten Lebenszyklus. Klare Klimasieger sind Erdgasautos.“

 

Mal wieder bemüht Spahn hier eine Studie, die grobe Fehler aufweist und in der Fachwelt zerrissen wurde. Eine Korrektur das Beitrags erfolgte nicht.

 

 

 

„Denn E-Autos tanken aus öffentlichen Steckdosen rund 40 % Klimakillerstrom aus Braun- und Steinkohle. Der Anteil dürfte eher noch steigen, wenn alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden.“

 

Richtig ist: Der Kohle-Anteil am deutschen Strommix betrug 2019 nicht 40 %, sondern 30 %. Für 2020 sind es bislang sogar nur noch 20 %. Abgesehen davon werden alle öffentlichen Ladestationen mit Ökostrom versorgt. Ja, der ist nur auf dem Papier grün, aber er unterstützt den Ausbau der Erneuerbaren Energien und sorgt dafür, dass auch in der Realität immer mehr Ökostrom in den E-Autos landet.

 

 

 

„Aber selbst mit Ökostrom betankte E-Autos können ihren Treibhausgasrucksack nie mehr abschütteln - wenn sie gegen Erdgasautos antreten, die Biomethan im Tank haben. Die sind klimaneutral unterwegs.“

 

Diese nur in einem sehr begrenzten, realitätsfremden Szenario zutreffende Behauptung bringt Spahn des Öfteren, ich gehe deshalb nur an einer Stelle darauf ein, siehe unten.

 

 

 

„(…) herrscht in Berlin der unbeirrbare Glaube an die E-Mobilität.“

 

Fragt sich nur, warum Deutschland viel später als die meisten anderen Länder eine E-Auto-Kaufprämie eingeführt hat und warum diese mit zu Beginn nur 4.000 € viel niedriger ausfiel als z.B. in den USA (7.500 $ Steuervorteil) oder Norwegen (diverse Vergünstigungen, u.a. Entfall der 25 % Mehrwertsteuer)? So unbeirrbar war die Regierung dann wohl doch nicht.

 

 

 

„Wie die Bundesregierung setzt auch die Hauptstadt auf E-Busse, obwohl der Testbetrieb ein Fiasko war. (…) Trotzdem will Berlin langfristig 1.400 E-Busse ordern. Warum? Weil die Elektro-Fördermilliarden winken.“

 

In einem Testbetrieb kann es Probleme geben, deswegen heißt es Testbetrieb. Mittlerweile sind die BVG (siehe auch oben) sehr zufrieden mit ihren E-Bussen und wollen deswegen 1.400 E-Busse bestellen, nicht aufgrund der Förderungen. Wenn die Elektrobusse wirklich so schlecht wären, würde die BVG auch trotz Förderung keine kaufen – es ergäbe doch keinen Sinn, zwar Fördergelder zu bekommen, dafür aber den Berliner Busverkehr zusammenbrechen zu lassen.

 

Für Herrn Spahn hätte sich der Blick ins chinesische Shenzhen gelohnt, da sind alle 16.000 städtischen Busse seit mehr als zweieinhalb Jahren vollelektrisch unterwegs.

 

 

 

„Das alles aber ist weder Umweltschutz noch verantwortlicher Umgang mit Steuergeldern, sondern milliardenteurer Starrsinn, den dringend einer bremsen sollte! Aber: Menschen mit unerschütterlichem Glauben sind bekanntlich nur ganz schwer davon abzubringen.“

 

Den naheliegenden Witz über ein Format eines steuerfinanzierten Fernsehsenders, in dem ein starrsinniger Mensch mit unerschütterlichem Glauben dringend mal gebremst werden müsste, verkneife ich mir an dieser Stelle. Immerhin kostet das ja keine Milliarden.

 

 

 

 

Biogas schlägt E-Auto

 

Erschienen: 04.12.2019, zu sehen hier.

 

 

 

Spahn führt lang und breit aus, wie toll Biogas-Autos sind, schränkt aber am Ende selbst ein: Das in Deutschland verfügbare, klimafreundliche Biomethan aus Reststoffen reicht für 5 Millionen PKW. Zugelassen in Deutschland: 47 Millionen. Anhand der Aussagen mutmaße ich, dass er sich auf diese Fraunhofer Studie bezieht – nachprüfen lässt sich das nicht, weil man es bei der DW auch im Jahr 2019 wohl noch nicht für nötig befand, Quellen zu verlinken oder wenigstens eindeutig zu nennen.

 

Was in dieser Studie steht, von Spahn aber nicht erwähnt wird: Die Fraunhofer-Experten empfehlen ausdrücklich, eben aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit des Biomethans, dieses lieber in LKW zu verwenden – in PKWs seien auch Akkus eine gute Option.

 

 

 

 

„Die E-Auto-Verbohrten“

 

Erschienen: 24.06.2020, zu sehen hier.

 

 

 

Dieses Video war der Aufhänger, warum ich mich so tiefgreifend mit Spahns Machenschaften beschäftige. Ich habe ihm deshalb eine Mail geschrieben (aber keine Antwort bekommen), die ich der Einfachheit halber hier komplett einfüge:

 

 

 

Sehr geehrter Herr Spahn,

 

 

 

 

 

Ich melde mich auf diesem Weg bei Ihnen, weil das Thema für Twitter zu komplex ist, hier kann ich die Aussagen aus Ihrem Video im Detail widerlegen.

 

 

 

1. „Danach sorgen E-Autos für 73 % mehr Treibhausgase als moderne Diesel, wenn, wie geplant, alle, Autos in Deutschland komplett auf E-Antriebe umgestellt würden.“

 

Sie zitieren hier zwar nur eine Studie, diese ist aber falsch und wurde bereits widerlegt (wie bereits bei Twitter erwähnt). Das Fraunhofer ISI hat die falschen Annahmen des IfW angepasst und landet in einem Korridor von 20 bis 46 % Minderemissionen von Elektroautos im Vergleich zu Dieseln.

 

https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/cce/2020/Stellungnahme_IfW-Langfassung.pdf

 

 

 

2. „Schon zuvor haben x Studien belegt, dass der E-Antrieb erst dann umweltfreundlicher als moderne Verbrenner ist, wenn seine Treibhausgaslasten aus Akkuproduktion und Betrieb heruntergefahren sind.“

 

Das stimmt, allerdings lassen Sie hier die entscheidende Information weg: Die meisten Studien belegen in einem Atemzug mit dieser Feststellung auch, dass das schon längst der Fall ist. So hatte ein Elektrofahrzeug 2017 laut Umweltbundesamt 16 % weniger CO2-Emissionen als ein Diesel und 27 % weniger als ein Benziner, bis 2025 sollen diese Zahlen auf 32 bzw. 40 % steigen. Sie haben recht, Studien zur Zukunft kann man in der Gegenwart nicht be- oder widerlegen, Fakt ist aber, dass Elektroautos bereits in der Gegenwart eine bessere CO2-Bilanz haben als Verbrenner. Ja, sie sind nicht klimaneutral und ja, die Anrechnung als Null-Emissionsfahrzeuge ist ziemlicher Nonsens. Aber sie sind eben doch schon besser als Verbrenner und werden ja mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien immer besser.

 

Quelle Umweltbundesamt: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Verkehr/emob_klimabilanz_2017_bf.pdf

 

 

 

Da Sie sicher anführen werden, dass es auch kritische Studien gab, liefere ich Ihnen zu allen mir bekannten Studien gleich die Widerlegung mit:

 

 

 

-          Die „Schweden-Studie“ wurde inzwischen von den Autoren selbst korrigiert: https://www.sueddeutsche.de/auto/e-autos-batterieproduktion-studie-1.4709878

 

-          Hans-Werner Sinns Rechnungen wurden in der WirtschaftsWoche zerpflückt: https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/ist-das-e-auto-ein-rueckschritt-was-hans-werner-sinn-bei-seiner-elektroauto-studie-uebersehen-hat/24237236.html

 

-          Die Fehler des IfW hat das Fraunhofer ISI aufgeführt, hatten wir ja oben schon.

 

-          Eine Studie des Fraunhofer ISE wurde von der TU Eindhoven korrigiert: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2542435119302715

 

-          Die als „ADAC-Studie“ bekannte Arbeit von Joanneum Research wurde ebenfalls aus der TU Eindhoven widerlegt: https://innovationorigins.com/de/warum-die-studie-des-adac-ein-paradebeispiel-fuer-die-anti-elektromobilitaets-lobby-ist/

 

 

 

Sollte von „x Studien“ noch eine übrig sein, die ich nicht erwähnt habe, sagen Sir mir bitte Bescheid, ich suche die passende Gegendarstellung gerne raus.

 

 

 

 

 

3. „Sie [Biogas-Fahrzeuge] fahren absolut klimaneutral.“

 

Das stimmt nur in einem sehr begrenzten Szenario, nämlich dann, wenn Abfallstoffe dafür verwendet werden. Die Menge des verfügbaren Biomethan würde aber nur für 10 % des PKW-Verkehrs reichen, für den Rest empfiehlt Fraunhofer im von Ihnen verlinkten Artikel ausdrücklich Elektroautos.

 

Beim LKW-Verkehr könnte Biomethan für bis zu 50 % aller Fahrzeuge ausreichen, da wäre ein Einsatz also viel sinnvoller, weil sich Elektrifizierung hier viel schwieriger gestaltet als im PKW.

 

 

 

Außerdem wird hier nur CO2 betrachtet, Methan und Lachgas (Treibhauseffekt Faktor 25 bzw. 300) bleiben außen vor und sind ein großes Problem bei Biomethan, siehe: https://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/alternative-energie-erschreckende-klimabilanz/4406150-4.html?ticket=ST-2413283-rGxUaWK22fPcMzmX0fxT-ap1

 

 

 

 

 

Warum schreibe ich Ihnen das so ausführlich? Es wird jeden Tag sehr viel Unfug über Elektromobilität verbreitet, ich befasse mich mit dem Thema seit sechs Jahren. Wenn Boulevardblätter oder Privatsender Falschinformationen verbreiten, ist mir das egal – bei einem Sender wie der Deutschen Welle nicht. Auf der DW-Homepage steht, Ihr Credo sei: „Entwicklungen erst verstehen, dann darüber berichten.“ In diesem Sinne hoffe ich, Ihnen zu einem besseren Verständnis für dieses Thema verholfen zu haben.

 

Zeigen könnten Sie das zum Beispiel, in dem Sie Ihre Aussagen öffentlich richtigstellen. Dann ziehe ich auch meine unhöfliche Kritik zurück und entschuldige mich öffentlich für meinen Tonfall.

 

 

 

 

 

 

 

Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe bis dahin

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Robin Engelhardt

 

 

 

 

 

 

 

Alles schlecht? Nein

 

Zur Ehrenrettung der Deutschen Welle: Es gibt durchaus gute Beiträge über Elektroautos. Auch im Format „wirtschaft_plus“ findet sich ein Lichtblick. Christian Uhlig erklärt sehr gut, dass Elektroautos auch dann sinnvoll sind, wenn der Strom noch nicht zu 100 % aus Erneuerbaren Energien kommt. (Diesen Beitrag hatte ich übrigens fälschlicherweise in einer ersten Linksammlung in einen Topf mit Spahns Unwahrheiten geworfen, dafür möchte ich mich bei Herrn Uhlig entschuldigen.) Leider ist das aber nur einer von insgesamt 13, die sich mit Elektroautos beschäftigen – die restlichen 12 haben alle einen negativen Tenor und sind zu einem großen Teil falsch. 

 

 

 

Meinungsfreiheit ≠ Faktenfreiheit

 

Es ist klar ersichtlich, dass Thomas Spahn seit drei Jahren in jedem seiner Beiträge über Elektroautos mindestens einmal die Unwahrheit sagt, in vielen finden sich mehr falsche als wahre Aussagen. Sowohl Spahn selbst als auch die Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle berufen sich hier auf die Meinungsfreiheit – es seien ja schließlich Kommentare. Abgesehen davon, dass die Kommentare manchmal gar nicht und oft nur unzureichend als solche gekennzeichnet sind, entbindet auch der Kommentar keinen Journalisten von seiner Pflicht zur wahrheitsgetreuen Berichterstattung. Natürlich gilt Meinungsfreiheit, auf was Spahn und die DW sich hier aber berufen ist nicht Meinungsfreiheit, sondern Faktenfreiheit: Wenn eine Vielzahl an Studien eindeutig nahelegt, dass Elektroautos umweltfreundlicher als Verbrenner sind, ist eine Aussage á la „Diesel sind umweltfreundlicher als Elektroautos“ keine Meinung, sondern eine Lüge.

 

Ob Spahn und die Wirtschaftsredaktion ihre Pflichten zur wahrheitsgetreuen Berichterstattung und sorgfältiger Recherche verletzt haben, wird der Intendant der Deutschen Welle klären – nachdem Thomas Spahn auf meine Mail nicht reagierte und sich auf Twitter auch nur hinter Floskeln versteckte, habe ich eine offizielle Programmbeschwerde eingereicht.

 

 

 

Warum?

 

Aus welchem Grund Herr Spahn sich so verhält, ist mir schleierhaft. Ich distanziere mich an dieser Stelle ausdrücklich von Spekulationen um seine Käuflichkeit, mir scheint Unwissenheit und mangelhafte Recherche die plausibelste Erklärung.

 

Das viel wichtigere „Warum?“ ist ein anderes: Warum bietet die Deutsche Welle seit drei Jahren die Plattform für Herrn Spahns Unwahrheiten? Sie ist gesetzlich zu wahrheitsgetreuer Berichterstattung und sorgfältiger Prüfung der veröffentlichten Meldungen verpflichtet – gelten diese Regeln nicht mehr, sobald irgendwo kurz das Wörtchen „Kommentar“ aufblitzt? Auch hier will ich keine Spekulationen um Käuflichkeit anheizen, sondern weise diese vielmehr mit Nachdruck zurück. Wer sollte denn ein Interesse daran haben, eine Kampagne gegen Elektroautos ausgerechnet in dem Sender zu fahren, der innerhalb Deutschlands wohl eine der schlechtesten Reichweiten überhaupt hat? Auch hier drängt sich mir eine einfachere Erklärung auf: Eine unsaubere Arbeitsweise. Thomas Spahn liefert einen Beitrag ab, die Redaktion prüft ihn nicht oder nur unzureichend und er geht online, Ende.

 

Falls Herr Spahn oder die DW Wirtschaftsredaktion mir eine andere Erklärung liefern möchten, freue ich mich sehr darüber. Sollten noch Quellen auftauchen, die meine Aussagen widerlegen, bin ich natürlich offen dafür. Und Herr Spahn, wenn der Satz über die Deutsche Welle als „Plattform für ein Streitgespräch“ keine hohle Phrase, sondern ein ernsthaftes Angebot war, nehme ich mir die Zeit gerne!

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Matthias Burkhardt (Freitag, 26 Juni 2020 19:05)

    Tolle Initiative Robin, bleib dran!
    Finde es super was Du da machst.
    Wenn Du Unterstützung brauchst, sag Bescheid.

    Gruß
    Buggi

  • #2

    Thomas Rauner (Montag, 29 Juni 2020 23:54)

    Vielen Dank für diese Zusammenstellung. Herr Spahn ist vielleicht auch einer dieser Baby-Boomer-Petrolheads, der sich schlicht nicht vorstellen kann, dass die einzige Konstante im Leben die Veränderung ist. Was hundert Jahre geklappt hat, muss doch für weitere hundert Jahre gut sein, oder?

    Die Gletscher, der Meeresspiegel, die Amazonas- und sibirischen Wälder, das Grönlandeis u.v.a.m sehen das aber anders. Aber diese Suppe müssen ja nicht die Baby-Boomer auslöffeln, nicht wahr? Ich nenne so eine Haltung dissozial.

    Ich bin im übrigen selbst Baby-Boomer und fahre seit 2013 Renault Zoe. Den selben Wagen. Elektrisch.

    Gut, dass es Sie gibt, Herr Engelhardt!

    Beste Grüße, Thomas Rauner